OBIS-Codes verstehen
Sie lesen neben jedem Messwert eine Bezeichnung wie Netzbezug oder Gesamtverbrauch. Dahinter liegt ein OBIS-Code. Er sagt Ihnen, welche Größe Sie gerade vor sich haben, und ob Sie zwei Werte miteinander verrechnen dürfen.
Wo Ihnen der Code begegnet
Auf der Seite Messdaten trägt jede Zeile in der Spalte Messung die Bezeichnung. Wenn Sie mit der Maus darüberfahren, erscheint der Code selbst, zum Beispiel 1-1:1.9.0 P.01. Im CSV-Export stehen beide: der Code und die Bezeichnung.
Die drei Codes je Energierichtung
Jeder Stromzähler führt drei Codes je Energierichtung: die gemessene Gesamtmenge und die zwei Teile, in die sie zerfällt. Für den Bezug sind das
| Bezeichnung | Code | Bedeutung |
|---|---|---|
| Gesamtverbrauch | 1-1:1.9.0 G.01 |
alles, was der Zähler gemessen hat |
| Netzbezug | 1-1:1.9.0 P.01 |
davon der Teil, den Sie aus dem Netz bezogen haben |
| Gemeinschaftsanteil | 1-1:2.9.0 G.03 |
davon der Teil, den eine Energiegemeinschaft gedeckt hat |
und für die Einspeisung
| Bezeichnung | Code | Bedeutung |
|---|---|---|
| Gesamterzeugung | 1-1:2.9.0 G.01 |
alles, was der Zähler erzeugt hat |
| Netzeinspeisung | 1-1:2.9.0 P.01 |
davon der Teil, der ins Netz geflossen ist |
| Gemeinschaftsanteil (Erzeugung) | 1-1:2.9.0 X.01 |
davon der Teil, den eine Energiegemeinschaft übernommen hat |
Welche Richtung Sie sehen, hängt von der Energierichtung Ihres Zählers ab. Ein Zähler mit Photovoltaik hat für Bezug und Einspeisung je eine eigene Zählpunktbezeichnung und damit je eine eigene Messreihe.
Gaszähler kennen keine Gemeinschaft und führen einen einzigen Code: Gasverbrauch (7-1:1.9.0 P.01). Sie liefern ihre Werte im Stundenraster, Stromzähler viertelstündlich.
Hinweis:
G.01undP.01dürfen Sie nicht addieren. Der Gesamtverbrauch enthält den Netzbezug bereits; der Gemeinschaftsanteil ist der Rest: Gesamtverbrauch minus Netzbezug, mindestens null. Wer Gesamtverbrauch und Netzbezug addiert, zählt dieselbe Energie doppelt.
Wenn Ihr Zähler an keiner Energiegemeinschaft teilnimmt
Die drei Codes stehen trotzdem in Ihren Daten. Der Gemeinschaftsanteil ist dann null, und Gesamtverbrauch und Netzbezug tragen denselben Wert. Sie müssen also nicht wissen, ob ein Zähler teilnimmt, um die Werte richtig zu lesen.
Wenn Ihr Zähler teilnimmt
Dann ist der Gemeinschaftsanteil größer als null, und der Netzbetreiber liefert zusätzlich eine Aufschlüsselung je Gemeinschaft. Diese Reihen bleiben innerhalb der Anwendung: Auswertungen, API und geplante Exporte verwenden die Werte je Zähler. Nimmt ein Zähler an mehreren Gemeinschaften teil, gibt es je Gemeinschaft und Zeitpunkt eine eigene Zeile.
Welchen Code Ihre Auswertungen verwenden
Diagramme, Berichte und Kennzahlen lesen pro Zähler und Zeitpunkt genau einen Code: den Gesamtverbrauch, wenn er vorliegt, sonst den Netzbezug. Bei Einspeisung gilt dasselbe für Gesamterzeugung und Netzeinspeisung. Werte aus mehreren Codes werden nie zusammengezählt.
Für Kosten und Abrechnung ist der Netzbezug beziehungsweise die Netzeinspeisung die richtige Größe, weil nur diese Energie über das Netz geflossen ist.
Schickt Ihr Netzbetreiber eine Reihe, die wir noch nicht kennen, speichern wir die Werte trotzdem und zeigen sie mit ihrem Code an. Sie bleiben Ihnen im Export erhalten und fließen in keine Auswertung ein.
Der Code sagt nichts über die Datenqualität
Der OBIS-Code beschreibt, was gemessen wurde. Wie belastbar ein Wert ist, steht in der Spalte Datenqualität (L1, L2, L3). Was die Stufen bedeuten, lesen Sie unter Messdaten.
Für Experten
OBIS-Codes sind in IEC 62056 genormt. Die führende Ziffer benennt den Energieträger: 1-… steht für Strom, 7-… für Gas. Welche Reihen ein Netzbetreiber für Energiegemeinschaften liefert, legt die „Regelung für das Qualitätsmanagement der Smart-Meter-Kommunikation und Methodiken zur Ersatzwertbildung" (Oesterreichs Energie, 15.02.2024, gültig ab 07.10.2024) fest.
Codes mit dem Bereich Zähler gelten für den gesamten Zählpunkt. Codes mit dem Bereich Gemeinschaft teilen die Werte einer einzelnen Energiegemeinschaft zu; nimmt ein Zähler an mehreren teil, gibt es je Gemeinschaft und Zeitpunkt eine eigene Zeile. Die API und geplante Exporte verwenden die Werte je Zähler. 1-1:2.9.0 G.03 steht in beiden Bereichen: je Gemeinschaft, wie der Netzbetreiber ihn liefert, und je Zähler als dritter Teil des Bezugs.
Nicht jede Zeile stammt vom Netzbetreiber. Liefert er einen Gesamtwert oder einen Gemeinschaftsanteil nicht selbst, berechnen wir ihn aus den Registern, die er geschickt hat, und legen ihn als eigene Zeile ab. Für Sie sieht eine berechnete Zeile aus wie eine gelieferte.
| Code | Bezeichnung | Bereich | Bedeutung |
|---|---|---|---|
1-1:1.9.0 P.01 |
Netzbezug | Zähler | aus dem Netz bezogene Energie |
1-1:2.9.0 P.01 |
Netzeinspeisung | Zähler | ins Netz eingespeiste Energie |
1-1:1.9.0 G.01 |
Gesamtverbrauch | Zähler | gemessener Verbrauch vor der Zuteilung |
1-1:2.9.0 G.01 |
Gesamterzeugung | Zähler | gemessene Erzeugung vor der Zuteilung |
1-1:1.9.0 G.01T |
EG-Verbrauch (zugeteilt) | Gemeinschaft | Verbrauch nach Teilnahmefaktor; bei 100 % gleich G.01 |
1-1:2.9.0 G.01T |
EG-Erzeugung (zugeteilt) | Gemeinschaft | Erzeugung nach Teilnahmefaktor; bei 100 % gleich G.01 |
1-1:2.9.0 G.02 |
EG-Erzeugungsanteil | Gemeinschaft | Anteil an der Erzeugung der Gemeinschaft |
1-1:2.9.0 G.03 |
Gemeinschaftsanteil | Zähler und Gemeinschaft | Verbrauch, den die Gemeinschaft gedeckt hat |
1-1:2.9.0 G.03R |
EG-Eigenabdeckung (erneuerbar) | Gemeinschaft | davon der Teil aus erneuerbarer Erzeugung |
1-1:2.9.0 P.01T |
EG-Restüberschuss | Gemeinschaft | Überschuss, der nach der Zuteilung bleibt |
1-1:2.9.0 X.01 |
Gemeinschaftsanteil (Erzeugung) | Zähler | Erzeugung, die die Gemeinschaft übernommen hat |
7-1:1.9.0 P.01 |
Gasverbrauch | Zähler | bezogene Gasmenge |
Für die Einspeisung gibt es in Österreich kein genormtes Gegenstück zu G.03. 1-1:2.9.0 X.01 ist deshalb ein Code, den wir selbst vergeben haben; er steht in keiner Norm und kommt von keinem Netzbetreiber.
Der Teilnahmefaktor ist der prozentuelle Anteil, mit dem ein Zählpunkt an einer Gemeinschaft teilnimmt: mindestens 1 %, in ganzen Prozentpunkten, je Zählpunkt in Summe höchstens 100 %.