Anwendung 8 Min. Lesezeit Phillip Fickl

Lastgang anfordern und ohne Excel auswerten

Sie brauchen den Lastgang eines Zählpunkts, also die lückenlose Reihe seiner Viertelstundenwerte, und wollen daraus ablesen, wie hoch die Grundlast liegt, wann die Spitzen kommen und welche Muster sich wiederholen. Für gewerbliche Anschlüsse liegen diese Daten meist schon in 15-Minuten-Auflösung vor. Das Zusammentragen kostet die meiste Zeit: Ein einzelner Zählpunkt liefert rund 35.000 Werte im Jahr, und von den über 140 Netzbetreibern in Österreich hat jeder sein eigenes Portal mit eigenem Login.

Was ein Lastgang ist

Ein Lastgang, auch Lastprofil genannt, ist die Zeitreihe der Viertelstundenwerte eines Zählpunkts: alle 15 Minuten ein Messwert, Tag und Nacht. Das ergibt 96 Werte pro Tag und rund 35.000 im Jahr (96 pro Tag über 365 Tage). Erst diese Auflösung zeigt, was zwischen den Monatsständen passiert, etwa die Nachtlast oder die Lastspitze am Dienstagvormittag. Wie diese Auflösung zum gesetzlichen Standard geworden ist, lesen Sie in unserem Beitrag zu den Viertelstundenwerten im ElWG.

Ein Lastgang als Kurve: eine Woche in 15-Minuten-Schritten, mit Grund- und Spitzenlast als Orientierungslinien.
Ein Lastgang als Kurve: eine Woche in 15-Minuten-Schritten, mit Grund- und Spitzenlast als Orientierungslinien.

Wie Sie den Lastgang anfordern

Zwei Wege führen zum Lastgang. Welcher passt, hängt davon ab, wie viele Zählpunkte Sie betreuen und über wie viele Netzgebiete sie verteilt sind.

Über das Portal des Netzbetreibers

Jeder Netzbetreiber betreibt ein Portal mit Login und Datenexport. Dort laden Sie den Lastgang eines Zählpunkts als CSV herunter. Für Firmenkunden mit vielen Zählpunkten gibt es teils eigene Zugänge: Wiener Netze etwa betreibt ein eigenes Businessportal, das auf diesen Fall zugeschnitten ist. Liegen Ihre Zählpunkte in mehreren Netzgebieten, kommt mit jedem Netzbetreiber ein weiteres Portal mit eigenem Login dazu, und jeden Download müssen Sie mit den übrigen zusammenführen. In welcher Auflösung der Export kommt, hängt vom Zähler ab.

Über einen Dienst mit EDA-Anbindung

Der zweite Weg bündelt die Netzbetreiber hinter einer Anbindung. Der Endkunde, also das Unternehmen oder die Person, auf die der Zählpunkt läuft, stimmt der Weitergabe einmal im Portal seines Netzbetreibers zu; danach kommen die Werte täglich (T-1) über alle Netzgebiete in einem einheitlichen Format. Die Zustimmung selbst bleibt ein manueller Schritt beim Endkunden, der Rest läuft über das EDA-Netzwerk. Einen ausführlichen Vergleich der Methoden, mit und ohne eigene Anbindung, finden Sie unter Smart Meter auslesen.

Welche Auflösung Sie bekommen

Ob ein Zähler Viertelstundenwerte oder nur Tageswerte liefert, hängt von seiner Konfiguration ab. Für die meisten gewerblichen Zählpunkte ist die Frage schon entschieden: Anschlüsse mit PV-Einspeisung, Wärmepumpe, Stromspeicher, Ladepunkt oder dynamischem Stromvertrag führen Viertelstundenwerte, weil das ElWG (§ 54) ihnen die Übergangsfrist mit Tageswerten verwehrt.[1] Für kleinere Verbrauchsstellen läuft diese Frist gestaffelt aus: Tageswerte sind bis 31. Dezember 2026 bei einem Jahresverbrauch bis 5.000 kWh zulässig, ab 1. Jänner 2027 nur noch bis 1.500 kWh.

Für den Datenzugang kommt eine zweite Regel hinzu. Sobald der Endkunde der Weitergabe an einen Dritten zustimmt, erhält dieser die Werte in der feinsten verfügbaren Auflösung. Ein separater Opt-in für die Granularität ist seit dem ElWG nicht mehr nötig (§ 58).[2] Die Zustimmung bleibt die Voraussetzung: Sie regelt, ob Sie die Daten bekommen, die Auflösung ergibt sich danach aus dem Zähler.

Warum Excel bei mehreren Zählpunkten an seine Grenzen stößt

Bei einem Zählpunkt geht die Auswertung in der Tabelle noch. Ab dem zweiten fangen die Probleme an, und fast alle sind organisatorischer Natur.

  • Jedes Netzgebiet bringt einen eigenen Zugang mit, also einen weiteren Download, den Sie an die übrigen anschließen.
  • Ein Export ist eine Momentaufnahme, nächsten Monat laden Sie erneut herunter, und die neuen Werte müssen an die alten anschließen.
  • Dazu kommt die Größe von 35.000 Zeilen pro Zählpunkt und Jahr, und bei einem Dutzend Zählpunkten sind es schnell hunderttausende Zeilen, die eine Tabelle zwar öffnet, aber kaum noch flüssig verarbeitet.

Das alles lässt sich lösen, bleibt aber wiederkehrende Handarbeit, die mit jedem Zählpunkt und jedem Monat mehr wird.

Wie Sie den Lastgang auswerten

Grundlast und Spitzen

Die Dauerlinie sortiert alle Viertelstunden eines Jahres nach Höhe und zeigt so auf einen Blick, wie viel Last dauerhaft anliegt und wie oft es Richtung Spitze geht. Daneben stehen die höchsten Viertelstunden mit Zeitpunkt und Wert, und daran sehen Sie, wann die teuren Spitzen entstehen.

Die Dauerlinie sortiert alle Viertelstunden nach Höhe: links die seltenen Spitzen, rechts die Grundlast, die fast durchgehend anliegt.
Die Dauerlinie sortiert alle Viertelstunden nach Höhe: links die seltenen Spitzen, rechts die Grundlast, die fast durchgehend anliegt.

Muster

Eine Heatmap trägt den Verbrauch nach Wochentag und Uhrzeit auf. Betriebszeiten, Nachtverbrauch und Ausreißer zeigen sich dort als Farbflächen. Das Tagesprofil stellt Werktag und Wochenende nebeneinander.

Benchmark

Der Vergleich mit den APCS-Standardlastprofilen, den österreichischen Referenzlastprofilen für die Netzabrechnung, zeigt, ob ein Anschluss dem erwarteten Verlauf folgt oder davon abweicht. Abweichungen sind der Ausgangspunkt für die Suche nach Einsparungen.

Welche Muster in Viertelstundenwerten immer wieder auftauchen, führt unser Beitrag Verbrauchsanalyse: 5 Muster in Viertelstundenwerten an konkreten Beispielen aus.

Anfordern und auswerten an einem Ort

Sind Ihre Zählpunkte einmal mit energiedaten.at verbunden, kommen ihre 15-Minuten-Werte täglich auf die Plattform, für Verbrauch wie für Einspeisung. Der Lastgang ist dort eine Ansicht: Die Auflösung schalten Sie zwischen 15 Minuten, stündlich, täglich und monatlich um, ab dem Plus-Plan kommen als Erweiterte Analysen die Dauerlinie mit den höchsten Spitzen, die Heatmap und der Benchmark gegen die APCS-Standardlastprofile dazu. Die Daten aller Netzbetreiber laufen dabei in einer Ansicht zusammen, und Sie müssen keine Downloads mehr zusammenführen.

Wochentag über Uhrzeit: die kräftigen Abendstunden heben sich klar von den ruhigen Nächten ab, in Zahlenkolonnen fällt das kaum auf.
Wochentag über Uhrzeit: die kräftigen Abendstunden heben sich klar von den ruhigen Nächten ab, in Zahlenkolonnen fällt das kaum auf.

Brauchen Sie am Ende doch eine Datei, exportieren Sie den gewählten Zeitraum als CSV. Sollen die Werte regelmäßig in ein anderes System, liefern die API oder ein Webhook sie dorthin. Zeiträume vor der Anbindung fordern Sie rückwirkend an. Wie weit das zurückreicht, hängt vom Netzbetreiber und von Ihrem Plan ab, nach heutigem Stand sind es bis zu rund drei Jahre; ältere Zeiträume können in Tagesauflösung ankommen.

Wie diese Auswertung im Alltag aussieht, zeigen die Seiten für Energiemanagement und Energieberatung.

Fordern Sie Lastgänge über alle Netzbetreiber in einem Format an und werten Sie sie direkt aus. Sehen Sie sich dazu die Energieanalyse an, vergleichen Sie die Pläne oder buchen Sie eine Demo.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Lastgang?

Ein Lastgang ist die zeitlich geordnete Reihe der Verbrauchswerte eines Zählpunkts in Viertelstundenschritten. Ein Zählpunkt mit Viertelstundenwerten liefert 96 Werte pro Tag und rund 35.000 im Jahr. Erst diese Auflösung macht Grundlast, Lastspitzen und Verbrauchsmuster im Tagesverlauf sichtbar.

Wie fordere ich einen Lastgang an?

Es gibt zwei Wege. Sie laden ihn im Portal Ihres Netzbetreibers als CSV herunter, Zählpunkt für Zählpunkt und Netzgebiet für Netzgebiet. Oder Sie nutzen einen Dienst mit EDA-Anbindung. Dann stimmt der Endkunde der Weitergabe einmal zu, und die Werte kommen danach täglich und über alle Netzbetreiber in einem Format.

In welcher Auflösung bekomme ich den Lastgang?

Das hängt vom Zähler ab. Gewerbliche Anschlüsse und Anlagen mit PV, Wärmepumpe, Speicher oder Ladepunkt führen Viertelstundenwerte. Sobald der Endkunde der Weitergabe zustimmt, erhält ein berechtigter Dritter die Werte in der feinsten verfügbaren Auflösung; ein separater Opt-in für die Granularität entfällt seit dem ElWG.

Wie weit zurück kann ich Lastgänge anfordern?

Rückwirkend so weit, wie der Netzbetreiber die Werte vorhält, nach heutigem Stand bis zu rund drei Jahre. Wie weit Ihr Zugang reicht, hängt zusätzlich vom Plan ab. Für ältere Zeiträume kann die Auflösung gröber sein, die Werte kommen dann nur als Tageswerte.

Welche Software brauche ich, um einen Lastgang auszuwerten?

In einer Tabelle lässt sich ein einzelner Lastgang noch darstellen. Ab mehreren Zählpunkten stößt Excel an seine Grenzen: rund 35.000 Werte pro Zählpunkt und Jahr, dazu je Netzgebiet ein eigener Download. Eine Plattform für die Energieanalyse zeigt Dauerlinie, Heatmap und den Benchmark gegen die APCS-Standardlastprofile als fertige Ansicht, und Sie bauen die Werte nicht mehr von Hand zusammen.


[1] ElWG, BGBl. I Nr. 91/2025, § 54 Abs. 3: Übergangsfrist für Tagesenergiewerte (bis 31.12.2026 bei Jahresverbrauch ≤ 5.000 kWh, ab 1.1.2027 ≤ 1.500 kWh). Ausgenommen sind unter anderem Zählpunkte mit dynamischen Verträgen, Erzeugungsanlagen, Wärmepumpen, Speichern, Ladepunkten und Teilnahme an gemeinschaftlicher Energienutzung; sie führen Viertelstundenwerte.

[2] ElWG, BGBl. I Nr. 91/2025, § 58: Berechtigte Dritte erhalten die Daten in der feinsten verfügbaren Auflösung; ein separater Opt-in für die Granularität entfällt. Die Zustimmung des Endkunden bleibt Voraussetzung.

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