Anwendung 5 Min. Lesezeit Phillip Fickl

Smart-Meter-Daten per API in Österreich

Sie wollen die Verbrauchsdaten eines Smart Meters per Code in Ihre eigene Software holen und täglich aktualisieren, statt sie von Hand zu exportieren. Die naheliegende Suche lautet dann „Wiener Netze Smart Meter API" oder „EVN Smart Meter API". Die Antwort darauf überrascht viele Entwickler: Eine solche API gibt es bei den einzelnen Netzbetreibern nicht.

Der programmatische Zugang zu Smart-Meter-Daten läuft in Österreich über einen anderen Weg. Dieser Artikel zeigt, warum es keine API pro Netzbetreiber gibt, was eine Smart-Meter-Schnittstelle in Österreich abdecken muss und wie Sie die Daten am Ende über eine einzige REST-API abrufen.

Gibt es eine Smart-Meter-API von Wiener Netze oder EVN?

Kurz gesagt: nein, jedenfalls nicht in der Form, die man von einer modernen Web-API erwartet. Weder Wiener Netze noch EVN noch einer der über 140 österreichischen Verteilernetzbetreiber stellt eine öffentliche REST-API bereit, gegen die Sie einen Endpunkt aufrufen und Verbrauchswerte als JSON zurückbekommen.[1]

Der Grund liegt in der Struktur des österreichischen Strommarkts. Die Netzbetreiber speichern die Messwerte und stellen sie über eine regulierte gemeinsame Infrastruktur bereit, das EDA-Netzwerk. EDA steht für Energiewirtschaftlicher Datenaustausch und funktioniert als dezentrales Nachrichtensystem. Marktteilnehmer tauschen verschlüsselte XML-Nachrichten nach einem branchenspezifischen Standard aus. Es gibt keine zentrale Datenbank und keinen einzelnen Endpunkt, den eine Anwendung aufrufen könnte.

Für den Zugang gibt es drei Wege, und keiner davon ist eine fertige API:

  • Das EDA-Anwenderportal, eine Weboberfläche für manuelle Abfragen. Funktional, aber nicht für die programmatische Verarbeitung gedacht.
  • Eine E-Mail-Anbindung für Marktteilnehmer mit eigener Software, geeignet für eine begrenzte Anzahl an Zählpunkten.
  • Ein eigener Kommunikationsendpunkt für größere Mengen: spezialisierte Software, die Sie selbst betreiben und warten.

Wer Smart-Meter-Daten in eine Anwendung integrieren will, steht damit vor einer Aufgabe, die mit „API aufrufen" wenig zu tun hat. Den vollständigen Weg vom Zähler bis ins eigene System zeichnen wir Station für Station im Weg der Daten nach.

Was eine Smart-Meter-Schnittstelle in Österreich leisten muss

Bevor Sie einen dieser Wege wählen, lohnt der Blick auf die Anforderungen an so eine Schnittstelle. Drei davon entscheiden, ob Sie mit den Daten arbeiten können:

  • Ein Zugang für alle Netzbetreiber. Eine gute Schnittstelle bündelt sämtliche Verteilernetzbetreiber zu einem Zugang, damit Sie nicht pro Netzbetreiber eine eigene Anbindung pflegen.
  • Aufbereitete statt roher Daten. Ein einheitliches Format über alle Netzbetreiber, mit dokumentierten Feldern, das Sie direkt weiterverarbeiten können.
  • Nachvollziehbare Qualität. Messwerte tragen Qualitätsstufen, und manche werden später korrigiert. Ist das nicht sichtbar, rechnen Sie mit Zahlen, deren Verlässlichkeit Sie nicht einschätzen können.

Dazu kommen die Freigabe durch den Zählerinhaber, aktuelle Werte im T-1-Rhythmus und eine Auslieferung, die zu Ihrer Architektur passt. Alle drei folgen weiter unten im Detail.

Vor den Daten steht die Freigabe

Unabhängig vom technischen Zugang gilt eine Regel ohne Ausnahme: Bevor Daten fließen, muss der Zählerinhaber zustimmen. Der Ablauf ist gesetzlich geregelt und DSGVO-konform.[2]

Ein berechtigter Dienstleister stellt über das EDA-Netzwerk eine Datenanfrage für einen bestimmten Zählpunkt. Der zuständige Netzbetreiber prüft sie. Anschließend bestätigt der Zählerinhaber die Freigabe im Webportal seines Netzbetreibers. Dieser Schritt lässt sich nicht automatisieren, denn er erfordert eine bewusste Entscheidung des Zählerinhabers. Erst danach beginnt die Datenlieferung.

Die Freigabe gilt für einen definierten Zeitraum von bis zu drei Jahren und ist jederzeit widerrufbar. Für die API bedeutet das: Den Anstoß des Freigabeprozesses übernimmt Ihre Software, die Bestätigung selbst kommt vom Kunden über den Netzbetreiber. Planen Sie diesen Zwischenschritt fest in Ihren Onboarding-Flow ein.

Eine REST-API für alle Netzbetreiber

Genau diese Anforderungen deckt energiedaten.at ab. Statt selbst eine EDA-Anbindung aufzubauen und die Datenformate der einzelnen Netzbetreiber zu vereinheitlichen, sprechen Sie eine einzige REST-API an. Die EDA-Kommunikation, die Aufbereitung der Rohdaten und die Qualitätsprüfung übernimmt die Plattform. Bei Ihnen kommen fertige Verbrauchsdaten an, die Ihre Software direkt weiterverarbeitet.

Drei Aufrufe decken den gesamten Lebenszyklus eines Zählpunkts ab:

POST /api/v1/smart-meters                  → Zählpunkt registrieren
POST /api/v1/smart-meters/{id}/consent     → Freigabeprozess anstoßen
GET  /api/v1/smart-meters/{id}/data        → Verbrauchsdaten abrufen

Das XML-Parsing, der Betrieb von Spezialsoftware und eigene Nachrichten-Handler entfallen. Die ersten Daten sind nur wenige Zeilen Code entfernt.

So greifen Sie per API auf die Daten zu

Die Authentifizierung läuft über einen Bearer-Token mit definierten Scopes wie data:read oder consents:request, sodass Sie den Zugriff pro Integration eng begrenzen. Ein Abruf der Verbrauchsdaten eines Zählpunkts sieht dann so aus:

curl https://energiedaten.at/api/v1/smart-meters/{id}/data \
  -H "Authorization: Bearer $API_KEY"

Zurück kommt JSON in Viertelstunden-Auflösung, geliefert als T-1: Die Werte des Vortages sind am Folgetag abrufbar. Für den laufenden Abgleich tragen die Antworten einen Sync-Cursor, dazu kommen Standard-Rate-Limit-Header. Die vollständige Referenz mit allen Endpunkten, Scopes und Antwortfeldern liegt in der API-Dokumentation; einen geführten Einstieg dorthin finden Sie auf der Entwicklerseite.

Daten abholen oder zustellen lassen

Die REST-API ist der Pull-Weg: Sie fragen Daten ab, wenn Sie sie brauchen. Für viele Integrationen ist der Push-Weg praktischer, bei dem die Daten von sich aus bei Ihnen ankommen, sobald sie eintreffen. Dafür gibt es weitere Kanäle:

  • Webhooks benachrichtigen Ihr System, sobald neue Werte vorliegen.
  • MQTT eignet sich für IoT- und Streaming-Anwendungen.
  • CSV per E-Mail liefert Dateien an ein Postfach, aus dem Ihre Systeme sie abholen.
  • SFTP stellt Dateien für die ERP-Integration bereit.

Die REST-API ist in jedem Tarif enthalten. Welche Push-Kanäle dazukommen, hängt vom gewählten Tarif ab; die Details finden Sie auf der Preisseite.

Lieber fertige Exporte als eigenen Code? Unser Reporting-Weg liefert Verbrauchsdaten direkt in Ihre Tabellenkalkulation oder Ihr Reporting-Tool.

Was Sie damit nicht selbst bauen müssen

Eine eigene EDA-Anbindung ist machbar, aber sie ist ein Projekt für sich. Registrierung als Marktteilnehmer, ein eigener Kommunikationsendpunkt mit kostenpflichtiger Spezialsoftware, Consent-Verwaltung pro Zählpunkt, das Parsen und Transformieren der XML-Nachrichten, die Qualitätsüberwachung der Messwerte, eine effiziente Zeitreihenspeicherung und mehrere Auslieferungskanäle mit eigener Fehlerbehandlung. Dazu kommen die halbjährlichen Protokoll-Updates des EDA-Netzwerks, die Sie nachziehen müssen.

Der Aufbau dauert erfahrungsgemäß mehrere Monate, danach beginnt die laufende Wartung. Für Unternehmen, deren Kernprodukt nicht die EDA-Infrastruktur ist, übersteigt dieser Aufwand schnell den Nutzen. Wie energiedaten.at diese Aufgabe für Softwareprodukte und für Energiedienstleister übernimmt, lesen Sie auf den Seiten für Entwickler und Energiedienstleister.

Häufige Fragen

Gibt es eine offizielle Smart-Meter-API von Wiener Netze oder EVN?

Nein. Die Netzbetreiber stellen ihre Daten über das regulierte EDA-Netzwerk bereit. Eine öffentliche Web-API gibt es bei ihnen nicht. Eine REST-API über alle Netzbetreiber hinweg bekommen Sie über einen Dienst wie energiedaten.at.

Kann ich meine eigenen Smart-Meter-Daten per API auslesen?

Den Zugang über EDA können nur registrierte Marktteilnehmer aufbauen. Als Privatperson oder Unternehmen kommen Sie an Ihre Werte entweder über das Portal Ihres Netzbetreibers oder über einen Dienstleister, der die Daten nach Ihrer Freigabe per API ausliefert.

Brauche ich für jeden Zähler eine eigene Freigabe?

Ja. Die Zustimmung gilt pro Zählpunkt und wird vom jeweiligen Zählerinhaber im Portal seines Netzbetreibers bestätigt. Die API stößt den Freigabeprozess an, die Bestätigung selbst bleibt beim Kunden.

Wie aktuell sind die Daten über die API?

Die Daten kommen als T-1. Die Verbrauchswerte eines Tages stehen am Folgetag in Viertelstunden-Auflösung zur Verfügung.

Was bedeuten die Qualitätsstufen in den Messwerten?

Jeder Wert trägt eine Qualitätsstufe: L1 (gemessen) und L2 (zuverlässiger Ersatzwert) gelten als belastbar, L3 ist vorläufig. Ersetzt ein Netzbetreiber einen L3-Wert durch bessere Daten, übernimmt die API die Korrektur in den Änderungs-Stream.

Von der Suche zur Integration

Wer nach einer „Smart Meter API" sucht, sucht eigentlich nach einem zuverlässigen, programmatischen Zugang zu Verbrauchsdaten. Den gibt es in Österreich. Bereitgestellt wird er über eine Schicht, die das EDA-Netzwerk hinter einer einzigen REST-API zusammenfasst. Den größeren Kontext liefert unser Leitfaden zu Smart-Meter-Daten in Österreich, und wann manuelle Datenerfassung an ihre Grenzen stößt, zeigt der Artikel zur Automatisierung.

Wenn Sie Verbrauchsdaten in Ihr Produkt holen wollen, sehen Sie sich die Tarife an oder starten Sie auf der Seite für Entwickler.


[1] E-Control, Smart-Meter-Monitoringbericht 2025 (Oktober 2025): insgesamt über 140 Verteilernetzbetreiber in Österreich.

[2] Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG), BGBl. I Nr. 91/2025, § 58: Der Datenzugang für berechtigte Dritte setzt die Zustimmung des Kunden voraus; nach der Zustimmung werden die Daten in der feinsten verfügbaren Auflösung übermittelt.

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