25 Jahre offener Strommarkt, und beim Datenzugang stehen wir noch am Anfang
Unser Rückblick auf zwei Tage Oesterreichs Energie Kongress: Staatssekretärin Elisabeth Zehetner am Stand und warum uns die Keynote vom NATO Defense College seither beschäftigt.
Zwei Tage Hofburg, ein Stand in der Start-up-Reihe, und ein Satz, den wir dort öfter gesagt haben als jeden anderen: Der Strommarkt ist seit 25 Jahren offen, der Zugang zu den Verbrauchsdaten ist es noch nicht.
Ein eigenes Panel zog Bilanz über das Vierteljahrhundert Wettbewerb und Marktöffnung. Die Liberalisierung brachte die freie Wahl des Lieferanten. Vieles, was heute selbstverständlich dazugehört, kam sehr viel später: Energiegemeinschaften etwa erst mit dem EAG-Paket 2021.[1] Die Auswahl ist also größer geworden, aber die Zahlen, an denen sich prüfen lässt, welche davon sich für einen konkreten Betrieb rechnen, sind nach wie vor schwer zu bekommen.
Die Daten selbst gibt es längst, sie entstehen im laufenden Betrieb und liegen beim Netzbetreiber. Wer sie auswerten will, braucht die Zustimmung des Kunden und muss sich durch die Marktkommunikation arbeiten, die bei jedem Netzbetreiber ihre Eigenheiten hat. Das nehmen wir unseren Kunden ab.
Besuch am Stand
Am ersten Tag machten Staatssekretärin Elisabeth Zehetner, Oesterreichs-Energie-Präsident Michael Baminger und Generalsekretärin Barbara Schmidt bei uns Halt.

Aus Bamingers Rede haben wir uns einen Satz notiert: "Kundinnen und Kunden müssen Partner dieser Transformation sein, nicht Transformationsobjekte." Ob jemand Partner oder Objekt ist, entscheidet sich in der Praxis oft daran, ob er an seine eigenen Daten kommt.
Die Keynote, die hängen geblieben ist
Nach zwei Tagen Technik, Markt und Regulierung kam der Vortrag, über den wir seither am meisten reden. Florence Gaub, Forschungsdirektorin am NATO Defense College, sprach über strategische Vorausschau. Sie nannte drei Gründe, warum sich geopolitische Entwicklungen so schwer einschätzen lassen: die Qualität der verfügbaren Daten, ihre Menge, und die Schwierigkeit, darin stabile Muster zu erkennen.
Diese drei Probleme kennen wir aus einem sehr viel kleineren Maßstab. Ein Jahr Viertelstundenwerte eines Standorts sind 35.040 Zahlen. Ein Teil davon ist gemessen, ein Teil geschätzt, ein Teil fehlt. Das Muster darin ist real, es zeigt sich aber erst, wenn jemand die Lücken kennt und die Werte richtig zusammenfasst.
Gaub beschrieb, wie Vorausschau arbeitet: erst schwache Signale sammeln, daraus Szenarien bauen, und aus den Szenarien Handlungsoptionen ableiten. Der letzte Schritt ist der wichtigste. Vorausschau ist für sie ein Instrument, um heute besser zu entscheiden. Für einen Betrieb, der über eine PV-Anlage, einen Speicher oder einen Tarifwechsel nachdenkt, gilt derselbe Ablauf, nur mit dem eigenen Lastgang als Grundlage.
Was als Nächstes kommt
Am 1. Oktober treten die ElWG-Bestimmungen zur Bürgerenergie in Kraft, und die bestehenden Energiegemeinschaften wechseln in den neuen Rechtsrahmen. Vier Tage später sollen die ersten P2P-Marktprozesse starten.[2] Was das ElWG für Energiegemeinschaften ändert, haben wir im Frühjahr zusammengefasst.
Danke an alle, die bei uns stehen geblieben sind und erzählt haben, wo der Datenzugang in ihrer Praxis hakt. Wer den Faden aufnehmen möchte, erreicht uns hier.
[1] ElWOG 2010 §§ 16a-16e in der Fassung BGBl. I Nr. 150/2021 (EAG-Paket): Fassungsbeginn der §§ 16b (Bürgerenergiegemeinschaft) und 16e laut RIS 28. Juli 2021; § 16a (gemeinschaftliche Erzeugungsanlage) bereits 27. Juli 2017.
[2] ElWG, BGBl. I Nr. 91/2025, § 188 Abs. 3: Inkrafttreten der §§ 66-72 (Bürgerenergie) am 1. Oktober 2026. EBUtilities, Konsultation 99 (Bürgerenergiemodelle Phase 1): Produktivsetzung der zugehörigen EDA-Marktprozesse am 5. Oktober 2026.